| Abstract: |
Die Bewertung von Diagnoseverfahren, die auf kontinuierlichen Messwerten beruhen,
erfolgt im Falle eines binären Goldstandards üblicherweise durch die Analyse von
ROC-Kurven. Falls der Goldstandard ursprünglich selbst auf einer kontinuierlichen
Messskala erhoben wird, erfolgt meist eine Dychotomisierung anhand eines Schwellenwerts.
Dies ist für die Bestimmung der diskriminatorischen Validität sicherlich sinnvoll.
Für kontinuierliche Diagnoseverfahren betrachtet man ergänzend Korrelations- und
Regres-sionsanalysen. Diese Analysen werden innerhalb der Krankenpopulation durchgeführt
und zeigen, inwieweit die Verfahren in der Lage sind, den Schweregrad der
interessierenden Erkrankung zu quantifizieren.
Für viele Erkrankungen ist aber bisher noch kein "fehlerfreier" Goldstandard
entwickelt worden. Pragmatisch werden dann etablierte Verfahren als Referenz verwendet.
Ein typisches Beispiel stellt die Diagnose der Glaukomerkrankungen ("Grüne Stare")
dar. Hier werden üblicherweise psychophysische Sehtests und bildgebende Verfahren für den
Augenhintergrund als anerkanntermaßen fehlerbehaftete Referenzverfahren eingesetzt.
Im Vortrag werden mögliche Verzerrungen bei der Bewertung neuer Diagnoseverfahren durch
die Wahl des Referenzverfahrens diskutiert. Ein Lösungsansatz wird vorgeschlagen, der auf
einem Modell der konfirmatorischen Faktoranalyse beruht. Dieser Ansatz wird auf einen
Datensatz aus der Ophthalmologie angewendet. Mögliche Weiterentwicklungen werden
diskutiert.
Referenzen:
- Martus P, Stroux A, Budde WM, Mardin CY, Korth M, Jonas JB. Predictive Factors for Progressive Optic Nerve Damage in Various Types of Chronic Open-angle Glaucoma. Am J Ophthalmol 2005; 139:999-1009.
- Martus P, Stroux A, Jünemann AM, Korth M, Jonas JB, Horn FK, Ziegler A. GEE approaches to marginal regression models for medical diagnostic tests. Stat Med 2004; 23:1377-98.
- Martus P. A measurement model of disease damage in paired organs. Biometrical Journal 2001; 43:927-40.
- Martus P. A measurement model of disease severity in absence of a gold standard. Method Inform Med 2001; 40:168-271.
- Martus P, Jünemann A, Wisse M, Budde WM, Horn F, Korth M, Jonas JB. A multivariate approach for quantification of morphologic and functional damage in glaucoma. Invest Ophthalmol Vis Sci 2000; 41:1099-110.
» Vortragsunterlagen [PDF, 176 kB]
|