Da die Bedeutung invasiver Pilzinfektionen für die Mortalität
immunsupprimierter hämato-/onkologischer Patienten aufgrund des anhaltenden
Trends zu hochdosierter Chemotherapie und Stammzelltransplantation weiter im
Zunehmen begriffen ist, wurde im Jahre 1999 eine hochempfindliche
molekularbiologische Methode zur Früherkennung von Pilz-DNA im Blut etabliert.
Diese PCR-Methode wurde von H. Einsele an der Medizinischen
Univ.-Klinik Tübingen entwickelt und ermöglicht die Amplifikation einer allen
Pilzen gemeinsamen Genregion. Die Nachweisbarkeitsgrenze der "panfungalen" Pilz-PCR liegt unter optimalen
Bedingungen bei 1 bis 10 Pilzzellen pro ml Blut und ist somit herkömmlichen
Kulturmethoden weit überlegen. Nach Extraktion, Amplifikation
und optionalem Nachweis der Pilz-DNA durch Gelelektrophorese erfolgt die
Differenzierung der jeweiligen Pilzspezies durch eine zweiten
Untersuchungsschritt (ELISA). Die Durchführung der gesamten Untersuchung
erfordert derzeit noch 2 Arbeitstage einer medizinisch-technischen Assistentin.
Nach bisher publizierten Untersuchungsergebnissen erbrachte dieser "PCR-ELISA" in
den meisten Fällen (83-100 %) einer
invasiven Pilzinfektion - bis zu 23 Tage vor Auftreten der ersten klinischen
Zeichen - ein positives Ergebnis. Die Spezifität bezüglich der Voraussage einer invasiven
Pilzinfektion ist - unter anderem bedingt durch Kontaminationsanfälligkeit der
hochsensitiven Methode - etwas eingeschränkt und beträgt
70-90 %.
Seit April 2000 wird der Pilz-PCR-ELISA auch im Rahmen einer multinationalen
Studie (Tübingen, Stockholm, London) unter Beteiligung der Abteilung für
Pädiatrische Hämatologie/Onkologie sowie der Abteilung für Hämatologie der
Medizinischen Univ.-Klinik Graz routinemäßig zweimal pro Woche durchgeführt. Ziel der Studie ist ein Vergleich zwischen empirischer
und PCR-gesteuerter antifungaler Therapie mit liposomalem Amphotericin B nach
allogener Stammzelltransplantation. Bisher wurden insgesamt etwa 400 Patienten rekrutiert.
Eine Zwischenauswertung im Jahre 2003 ergab einen Überlebensvorteil für
Patienten mit PCR-gesteuerter Antimykotika-Therapie im ersten Monat nach der
Transplantation.
Mittlerweile hat sich die Methode an unserer Abteilung als wertvolle
Entscheidungshilfe für den Einsatz von antimykotischer Therapie bei
neutropenischen Patienten mit Verdacht auf Pilzinfektion erwiesen. Damit konnten
auch die Behandlungskosten wesentlich reduziert werden.
Die bisher über 4.100 Untersuchungen bei 581 Patienten (Stand Dezember 2004) trugen an unserer Abteilung in 5 Fällen zur Frühdiagnose von invasiven
Pilzinfektionen bei. Dies entspricht der niedrigen Inzidenz systemischer
Pilzinfektionen seit Bezug des neuen, nach modernen Hygienerichtlinien
errichteten Gebäudes.
Die Methode wird durch Ringversuche sowie mit den genannten Labors
in Tübingen, Innsbruck und Wien regelmäßig validiert.
Mittlerweile wurde der Pilz-DNA-Nachweis an unserem Labor auch mittels
"Real Time" - PCR etabliert, wodurch nicht nur eine wesentlich
raschere Befunderstellung mit quantitativer Aussage, sondern auch - gemeinsam
mit der als nächster Schritt geplanten automatisierten DNA-Extraktion - eine
Standardisierung der Methode mit weiterer Verbesserung der Spezifität ermöglicht wird.