26.06.2006Kick-off Meeting des Innovationsprojekts "GATiB" (Genome Austria Tissue Bank)Internationale Experten und Projektleiter des zukunftsweisenden Projekts GAtiB nahmen am Kick-off Meeting am 20. Juni am Institut für Pathologie an der Med Uni Graz teil. Zweck des Meetings war die Vorstellung des Projektes und Projektumfeldes anlässlich des Projektstarts in der zweiten Phase des Gen-au Programms. Organisiert wurde das Meeting von Herrn Prof. Dr. Kurt Zatloukal, Koordinator des Projektes und stv. Institutsvorstand des Instituts für Pathologie der Medizinischen Universität Graz und Herrn Prof. Dr. Herbert Gottweis vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.GATiB (Genome Austria Tissue Bank) - eine Gewebesammlung wird zur Ressource der Medizin des 21. JahrhundertsDen geschichtlichen Umwälzungen am Anfang des 20. Jahrhunderts ist es eigentlich zu verdanken, dass das Institut für Pathologie der Medizinischen Universität Graz über die gegenwärtig wohl größte Gewebesammlung weltweit verfügt: mehr als drei Millionen Gewebeproben lagern hier. Die Ursache ist darin zu sehen, dass das Universitätsklinikum Graz noch in der Monarchie geplant wurde, und dazu bestimmt war, die medizinische Versorgung der südlichen Regionen bis hin zur Adria zu gewährleisten. Später war diese Einrichtung für den ursprünglichen Versorgungsbereich viel zu groß, und so wurden Gewebsproben nicht nur aus der Steiermark, sondern auch aus Teilen des Burgenlands und Kärntens zur Erstellung von Befunden nach Graz geschickt und auch archiviert. Dies hatte zur Folge, dass in Graz ein Gewebearchiv entstand, das Proben aller Bevölkerungsschichten und einer sehr großen Zahl von Erkrankungen umfasste - ein solches 'nichtselektiertes Kollektiv' ist die Voraussetzung für aussagekräftige Studien.Nunmehr erlauben moderne Methoden der Genomforschung, aus erkrankten Geweben eine Fülle von Informationen zu gewinnen, die wichtige Hinweise zu Mechanismen der Krankheitsentwicklung liefern. Damit verbunden sind essentielle Daten für die gezielte Entwicklung neuartiger Medikamente, die womöglich geringere Nebenwirkungen zeigen. Insbesondere kann im Zusammenspiel neuartiger Untersuchungsmethoden und der Möglichkeit, eine Vielzahl von Gewebeproben derselben Erkrankung auf individuelle Gegebenheiten zu untersuchen die Variabilität der Erkrankung besser verstanden werden. Die Folge für Patienten: Unverträglichkeiten, allfällige Therapieresistenz oder Hypersensibilität können bereits bei der Diagnose erfasst und berücksichtigt werden. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für die individualisierte Medizin des 21. Jahrhunderts. Nun ist eine Gewebesammlung allein noch nicht als Ressource für solch anspruchsvolle Forschungs- und Therapiemodelle geeignet. Im Rahmen des österreichischen Genomforschungsprogramms GenAu wurde daher bereits vor drei Jahren ein Projekt gestartet, das dieses Archiv in eine leistungsfähige Gewebe-Datenbank überführt. In dieser sind die eigentlichen Gewebeproben mit medizinischen Informationen, wie Diagnose, Therapie, Krankheitsentwicklung und Therapieerfolg, sowie mit Untersuchungsergebnissen der Gewebe selbst verknüpft. Erst diese Daten ermöglichen eine wissenschaftlich sinnvolle Verwendung dieses Archivs. Der Aufbau und die Nutzung des Werkzeugs Gewebebank ist mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden: es müssen ethisch-legale Gesichtspunkte beachtet werden, da die Anonymität des Patienten, von dem eine Gewebeprobe stammt, unbedingt gewährleistet sein und eine Einverständniserklärung vorliegen muss. Gewebe sind kostbare Ressourcen, somit sind auch Vorkehrungen unbedingt erforderlich, um die Qualität der Proben und der Daten, die damit verknüpft werden, sicher zu stellen. Das wachsende Verständnis für die Variabilität bei Erkrankungen zeigt aber auch, dass für statistisch sichere Aussagen wesentlich mehr verschiedene Proben benötigt werden, als in einer, auch umfangreichen, Gewebebank vorhanden sind. Insbesondere bei selteneren Erkrankungen wird daher zunehmend Wert auf die internationale Vernetzung zwischen Gewebebanken gelegt, wobei auf die damit gewonnen Daten gemeinsam zugegriffen wird. Dazu ist in der jetzt anlaufenden zweiten Phase des GenAu Programms, geplant, diese Biobank nach internationalen Standards (OECD-Richtlinien) auszurichten. Diese 'Genome Austria Tissue Bank' (GATiB) kann damit effizient an dieser internationalen Vernetzung mitwirken und in ein Biobanknetzwerk auf europäischem Niveau eingebunden werden. Neben der Berücksichtigung der technisch-logistischen Voraussetzungen - Standardisierung der Abläufe in Probenahme, -konservierung, Dokumentation, Analyse und Datenverarbeitung - sind ebenso die unterschiedlichen sozialen, ökonomischen, ethischen und politischen Voraussetzungen in potentiellen Partnerinstitutionen zu berücksichtigen. Um dieses Ziel zu erreichen arbeiten im GATiB - Projekt Mediziner, Informatiker und Politikwissenschafter aufs engste zusammen (Text: Peter M. Abuj) Weitere InformationenMag. Karin BonvecchioTel: +43-(0)316-380-7656 eMail: karin.bonvecchio@meduni-graz.at
Gil Siegal ist Chirurg und Professor für Gesundheitsrecht sowie Direktor des "Center of Health Law at Ono College" (Israel)
Cathrine Waldby, Forschungsprofessorin von der University of Sidney bei Ihrem Vortrag im Rahmen des Kick-off Meetings
Univ.-Prof. Dr. Zatloukal als Projektleiter des "GATiB" während der Projektvorstellung am Institut für Pathologie
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