OTTO LOEWI (1873–1961)
und das Institut für
Experimentelle und Klinische Pharmakologie
der Medizinischen Universität Graz
| OTTO LOEWI |
Otto Loewi wurde am 3. Juni 1873 in Frankfurt/Main geboren. Er
besuchte das Frankfurter Städtische Gymnasium, wo er 1891
das Abitur ablegte.
Er studierte Medizin in Straßburg und, 2 Semester, in München. In Straßburg fesselten ihn besonders der Internist Naunyn und der Pharmakologe Schmiedeberg. Seine Doktorarbeit bei Oswald Schmiedeberg hhatte eine Untersuchung am isolierten Froschherz zum Thema, eine Versuchsanordnung, der er fast sein ganzes Leben treu blieb und die ihm später auch den Nobelpreis einbringen sollte.
Danach arbeitete er in Straßburg und Frankfurt/Main und ging dann zu H. H. Meyer ans Pharmakologische Institut in Marburg, wo er sich 1900 habilitierte. Er erbrachte damals den bahnbrechenden Beweis, dass der tierische Organismus, entgegen der damaligen Meinung, selbst in der Lage ist, Proteine aus Aminosäuren aufzubauen ("Über Eiweißsynthese im Thierkörper", 1902).
H. H. Meyer wurde 1904 nach Wien berufen. Loewi als sein 1. Assistent folgte ihm 1905 und wurde damit österreichischer Staatsbürger, behielt aber auch weiter die deutsche Staatsbürgerschaft. 1907 lernte er seine spätere Frau, Guida Goldschmidt, kennen und heiratete 1908.
Im Jahre 1909 wurde Loewi auf den Pharmakologischen Lehrstuhl der Universität Graz berufen. In den Jahren 1912/13 war er gewählter Dekan der Medizinischen Fakultät.
Seine Untersuchungen "Über eine Steigerung der Adrenalinfreisetzung durch Kokain" (1910) und "Über den Zusammenhang von Digitalis und Calziumwirkung" (1917–1918) waren so vorausschauend, dass sie erst Jahrzehnte später weitergeführt werden konnten.
Über all diesen Ergebnissen stehen aber seine
Untersuchungen über den Mechanismus der
Übertragung eines
Nervenimpulses auf ein Organ. Diese Arbeiten wurden 1921 mit
einer nur knapp 4 Seiten langen Publikation "Über humorale
Übertragbarkeit der Herznervenwirkung" eingeleitet und
zeigten, dass die Impulsübertragung auf der Freisetzung
eines chemischen Stoffes, eines Transmitters, beruhte.
Ferner wurden zwei besonders für die Therapie wichtige Vorgänge, nämlich die Blockierung beziehungsweise die Verstärkung dieser Nervenwirkung durch bestimmte Arzneimittel, einer Erklärung zugeführt.
Für seine Arbeiten wurde Loewi
1936 gemeinsam mit Sir Henry Dale der
Nobelpreis
für Physiologie und Medizin verliehen.
Obwohl zu dieser Zeit noch von seinen Studenten gefeiert, wurde er bereits 2 Jahre später als Jude inhaftiert. Nur unter Zurücklassung seines gesamten Besitzes wurde es ihm erlaubt, das Land zu verlassen.
England bot ihm einen vorübergehenden Aufenthalt bis er 1940 als "Research Professor of Pharmacology" an die New York University gehen konnte. 1946 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Nur einmal, nämlich 1958, kam Loewi wieder nach Europa, als Präsident des Ehrenkommitees beim 4. Internationalen Biochemie-Kongress in Wien.
Unter den vielen Ehrungen, die Otto Loewi erhielt, befinden sich auch zwei Ehrendoktorate (Dr. phil. h.c. 1950, Dr. med. h.c. 1953) und die Ehrenmedaille (1958) der Universität Graz. Die Republik Österreich erneuerte 1959 das ihm 1936 verliehene Große Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst.
Am 25. Dezember 1961 verstarb Loewi in seinem Haus in New York. Seine Urne wurde am 17. August 1962 in Woods Hole, Mass., beigesetzt.
Lit.: F. Lembeck, W. Giere: "Otto Loewi. Ein Lebensbild in Dokumenten". Springer: Berlin, 1968.
Photos © Springer
Eine vollständige Sammlung aller bekannter Loewi-Dokumente liegt bei der Royal Society in London. Die Dokumentation umfasst 16 Bände, wovon die letzten drei im Jahre 2000 von Lembeck der Royal Society übergeben wurden.
| Otto-Loewi-Bibliothek |
Der Raum, in dem heute die Institutsbibliothek des Instituts für
Experimentelle und Klinische Pharmakologie untergebracht ist,
war usprünglich das Labor, in dem Loewi seine entscheidenden
Experimente durchführte.
Die Büste Otto Loewis wurde 1949 von einem Freund, dem Zahnarzt
Dr. G. Stein in New York modelliert; zwei Bronzegüsse wurden davon
hergestellt.
Anlässlich des 100. Geburtstages 1973
wurde die Büste in der Vorhalle der Aula der Karl-Franzens-Universität
aufgestellt. 1985 wurde sie gestohlen.
Der zweite Bronzeguss, der sich im Besitz von Anna Weiss-Loewi,
der Tochter Otto Loewis, befand, wurde 1986 zum 50.
Jahrestag der Verleihung des Nobelpreises der Universität
übergeben. Ein Gipsabguss wurde in der Bibliothek des
Institutes aufgestellt. Aus diesem Anlass erhielt die
Bibliothek den Namen "Otto-Loewi-Bibliothek".
Photo © Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie, Graz.