Helmut Hinghofer-Szalkay
(Siehe auch: T. Kenner: Die Zukunft der Physiologie. In: H. Hinghofer-Szalkay (Hrsg.): Physiologie an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Blackwell Berlin-Wien 2000, pp. 137-150.)
Das Physiologische Institut wurde 1863 – im Gründungsjahr der Medizinischen Fakultät – von Alexander Rollett (1834-1903) eingerichtet und stand 40 Jahre lang unter seiner Leitung . Rollett, Enkel des Naturforschers und Arztes Georg Anton Rollett, war Präsident der Steiermärkischen Ärztekammer und viermal Rektor der Karl Franzens-Universität. Rollett war unter anderem in enger Verbindung mit dem Physiker und Philosophen Ernst Mach . Einer seiner Schüler war der Begründer der russischen Physiologie, lwan Michailowitsch Setchenov - weltbekannt durch das nach ihm benannte Archiv.

Nach der schwierigen Zeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – namentlich genannt seien Oscar Zoth , Vorstand 1904-1927; Richard Wagner , Vorstand 1929-1932; Leopold Löhner , Vorstand 1935-1945 - nahm die Forschung unter Rudolf Rigler (Vorstand 1950-1971) einen neuen Aufschwung (Kreislauf, Stoffwechsel, Endokrinologie, Nierenfunktion). Sein Lehrspektrum umfaßte auch die Pathophysiologie; zu seinen Schülern zählten Horst Klingenberg , Begründer des Instituts für Pathophysiologie; Walter Rosenkranz , Begründer des Instituts für Medizinische Biologie und Humangenetik; Helmut Pogglitsch , Begründer der Dialysestation im LKH Graz; und Herwig Holzer , der später die Leitung der Dialysestation im Landeskrankenhaus Graz übernahm .

In seine letzten Jahre als Vorstand fiel die Periode des Umzugs aus dem altehrwürdigen Institutsgebäude (Anatomie und Physiologie) in der Harrachgasse in das interimistische Domizil im ehemaligen Anna-Kinderspital in der Mozartgasse. 1977 erfolgte die Inbetriebnahme des neuen Vorklinik-Gebäudes in der Harrachgasse 21.
Thomas Kenner (Jahrgang 1932) kam nach Forschungsaufenthalten in Bad Nauheim, Wien, Erlangen-Nürnberg, Philadelphia und Charlottesville 1972 als Ordinarius nach Graz, wo er das Institut bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 leitete.
In seiner Zeit als Vorstand entstanden im Institut neue Arbeitsgruppen: Für Adaptationsphysiologie, Arbeits- und Sportphysiologie, Atemregulation und SIDS, Biomechanik, Entwicklungsphysiologie und -neurologie, Physiologische Chemie, Systemphysiologie und Biomedizinische Technik, Sensomotorik, sowie Volumenregulation und Weltraummedizin. Diese Arbeitsgebiete widmen sich einer angewandten, integrativen und systemorientierten Physiologie.
Aufgrund von Wahlen im Sinne des UOG 1993 übernahm im Jahr 2000 Helmut Hinghofer-Szalkay die Institutsleitung, gefolgt von Günther Schwaberger (2001-2004). In dieser Zeit erfolgte die Loslösung der Medizinischen Universität von der Karl-Franzens-Universität sowie die Umstellung auf das neue Universitätsgesetz (UG 2002); seit 1.1.2005 ist Helmut Hinghofer-Szalkay Vorstand des Instituts.